Archiv für den Monat: August 2013

Ich komm ausm Pott – eine Liebeserklärung

Das Ruhrgebiet  – eine Region im Wandel – oder so ähnlich ist seit einigen Jahren der Spruch, mit dem sich der Pott offiziell nach außen hin präsentiert.
Wandel, Veränderung, Neues.
Es gibt zur Zeit viele tolle kleine und große Projekte, die sich mit dem Pott beschäftigen, Fees Blog feeistmeinname und natürlich Julis heimatPOTTential, soviel Läden mit Krimskams, Deko-Schnick mit Pott-Bezug. Soviele Fotos, Bilder. Und ich schau hin und drauf und zu und freu mich. Ich sehe Zechen, abgerockte Bauwerke, Rost, Verfall. Grubenlampen, Zechenhäuser, Bergmannshemden, Haldenromatik. Und dann frag ich mich manchmal:
Boah, sach mal, kleben wir eigentlich wie doof an dem alten Zeuchs fest?
Ist das so? Warum präsentiert sich „die Region im Wandel“, die Metropole Ruhr so gern mit den „Klischees“, dem Alten. Ich seh das alles, und überleg:
Ist das meine Realität? Ist das Eure Lebenswirklichkeit?
Denn, mal ehrlich, ich bin vor 38 Jahren in Essen geboren (das Krankenhaus ist übrigens auch weg-gewandelt worden…). Meine Eltern kommen beide nicht aus Essen, „Omma“ war verboten, „Oma“, mit spitzen „o“ war angesagt. Da Mama aus Schleswig kam, wurde bei uns geklingelt und nicht geschellt und ich weiß, dass ne Handeule nicht fliegen kann, wohl aber Gewölle sammelt.
Ich kenne niemanden, der auf Zeche war, niemanden mit Staublunge, und die Wäsche kam nie dreckiger vom Balkon rein, als sie nass aufgehängt wurde (auch wenn meine Familie vom Niederrhein das bis Mitte der 90er Jahre nicht glauben wollte).
Mit Kohle haben wir Hinkelkästchen auf den Bürgersteig gemalt, denn den schwarzen Stein konnten wir einfach so aus dem Hang prockeln. Der Vater meiner liebsten Freundin war Taubenvatter, andere Väter haben sonntags vormittags Frühschoppen gemacht: in der Pinte anne Ecke Pilsken trinken.
All diese Erfahrungen haben mich mitgeprägt, und ich sage heute voller Entspannung und sehr gerne: ich komm ausm Pott, und hier is geil super! Und viele meiner Freunde, jünger und älter sagen das auch so, genau so.
Wir identifizieren uns mit dem Pott, ich mach das, sehr gern, erstaunlich oft. Damit, wie man hier so ist… oder wie wir finden, dass wir sind:
direkt, herzlich, auf dem Boden, ein bisschen rauhe Schale manchmal, oft darunter butterweich, so wie Schimanski… immer schnell dabei, wenn´s um klare Worte geht, und der Erste, der seine olle Jacke zum Wärmen weiter gibt.
Die Menschen hier sind schnell, so empfinden es auch die von außerhalb, schnell im Denken UND im Sprechen, wir reden überhaupt viel, zur Not auch mal ein Kotelett an die Backe des Gegenübers und wir reden tacheless.
Eine Region im Wandel. Ja, es wandelt sich etwas, es entwickelt sich was: das „wir„. Das ist nicht neu, das Ruhrgebiet gibt es nicht erst seit gestern. Doch jetzt, heute, empfinden wir z.B. unsere Art zu reden nicht mehr als „schlechtes Deutsch“, dat und wat sind genauso hoffähig wie das bayrisch des Kaiser Franz (Beckenbauer), und spätestens seit der facebook-gruppe  Dinge, die einer ausm Pott nicht sagt… wird mir selbst erst klar, wie viele „endogene“ Worte, Begriffe, Sprüche es hier gibt, die vielleicht keiner außer uns versteht.
Ich bin weder Linguistin noch Soziologin. Ich betrachte die Welt um mich herum, höre zu, schaue hin, denk mir meinen Teil, bewerte das alles fröhlich… und dann hau ich meine Sicht der Dinge in die Welt hinaus, so macht man das hier. Wennse nich wills, kannse ja gehn.
Also, warum Zechen und Co.?
Ganz einfach: wegen des „wir„.
Zechen, Industriekultur, Bergbau in dieser Form, Stahlindustrie mit Rost und Grün und Buschwindrosen hat sonst keine andere Region.
Damit unterscheiden wir uns, das macht uns besonders. Moderne Architektur, Kunst im Raum, Kultur, Zoos, Museen sind sicher besonders, jeder für sich. Aber gibt es eben in vielen großen, kleinen Städten und Regionen.
Ich mach sehr gerne Stadtfahrten mit Freunden, Familie, die nicht aus Essen sind. Bei diesen Touren versuche ich den Menschen das zu zeigen, was uns, den Pott ausmacht, das Besondere und das Andere. Meine Familie aus Hamburg hat beim Rundumblick auf den Pott von der Schurenbach Halde in Altenessen gefragt: „Sind das echte Berge hier?“. Denn Halde kennt man nicht in Hamburg.
In Erinnerung bleibt uns meist das Besondere, das, was unterscheidet. WIR sind die mit den Zechen. So wie die Bayerin immer Dirndln trägt und jeder Ostfriese ne Buddel Rum in der Tasche hat.
Und wir sind die mit dem „ganz Vielen“.
Denn auch das ist der Pott: die Vielfalt. Das Nebeneinander von Dreck und rausgeputz. Von alt und neu, abgerockt und aufgerüscht. Und nicht zuletzt von Industrie und Grün. Auch das zeige ich den Gästen. Die Vielfalt zum Beispiel in Essen.
Zeche Zollverein,  Katernberg,      Margharetenhöhe, Baldeneysee, Kettwig,   Rüttenscheid
Zeche,                  rauhe Gegend, Gartenstadt,          Oase,            Dörfchen,  Ausgehen.
[und noch so viel mehr…]
Es ist egal, dass die Zechen abgetäuft sind, sich die Montanindustrie, die Industrie insgesamt so sehr wandelt. Die Reste, die Bauwerke sind da. Sie stehen in der Gegend rum, prägen die Landschaft, genauso wie die vielen Wälder und grünen Oasen.
Unterscheiden erstmal optisch das Ruhrgebiet von Küstenlandschaften und dem Voralpenland.
Und aus dem, was uns von anderen unterscheidet, entsteht auch wieder Identität, Zusammengehörigkeit.
Und genau deshalb find ich die Pottromantik super, mag ich Sonnenuntergänge auf Halden, gehören die nächtlichen Schachtzeichen für mich zu den schönsten Augenblicken der Ruhr 2010.
Ich mag, was mich mit den Menschen hier verbindet, diese einzigartige Kultur-Landschaft. Die Vielfalt. Die unterschiedlichen Perspektiven, das Nebeneinander. Ich mag die Menschen, die natürlich nicht alle „so sind wie“, sondern unterschiedlich, bunt, wie die Region. Ich mag das „wir“, den Pott, mit allen Ecken und Kanten, und das es hier so wild und laut und dreckig und alt ist. Und grün und sanft und leise und fortschritlich.

Ich komm ausm Pott.

beach wedding in Kölle, 17.08.2013, deutsch

[link to the english post]

Sommer, Sonne, Strand, eine wunderschöne Braut, ein nicht minder schöner Bräutigam, man hört Menschen in Deutsch, Spanisch, Englisch, Holländisch miteinander reden und denkt man sei – egal, man ist! in Köln, Seepavillion am Fühlinger See. Dort haben Anna und Ariel geheiratet, begleitet von den Familien aus ganz Deutschland und Argentinien, und Freunden, die aus den USA, aus Holland angereist sind, um diesen wunderbaren Tag mit den beiden zu teilen. Und mitten unter den Gästen waren auch die Großeltern von Anna, die sich aus Norddeutschland auf den für sie so weiten Weg gemacht haben. Als Gerda und Peter dann während der Zeremonie die neue Hochzeitskerze für Anna und Ariel hielten, die das Paar dann entzündete, standen sich 4 Menschen gegenüber, ein frisch verheiratets Paar, das umarmt wurde von 2 Menschen, die voller Liebe zueinander nächstes Jahr ihren 60. !!! Hochzeitstag feiern werden. So unendlich schön, so sanft und so kraftvoll war dieser Augenblick, mir kommen schon wieder die Tränen. Mehr dazu findet Ihr auch unter: …fast 60 Jahre …

Ich wünsche allen „meinen Paaren“ eine Ehe, die so liebevoll und langewährend ist, wie die von Gerda und Peter.

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Nina Richert gefällt dieser Artikel

beach-wedding in collogne, 2013.8.17th, english

[Link zum deutschen Beitrag]

Summer, sun, beach, a beautiful bride, a groom not less beautiful, people chatting happily along in german, spanish, english, dutch, so You might think You are in – doesn´t matter what You think… Your are in Germany, Cologne, at Seepavillion Fühlinger Sea. There Anna and Ariel married, accompanied by their families from Germany and Argentina, and friends from the USA and from the Netherlands, to share this special day with them. And amongst the guest were Anna´s grandparents and they took part in the ceremony by holding the wedding candle for Anna and Ariel to ignite. At this moment there stood 4 people close to each other, two to celebrate their  60th anniversary next year embracing the two to start their marriage. It was just a magic moment, so gentle and at the same time full of power – and thinking about it I am close to tears – again.  More about it You´ll find here …almost 60 years …
I wish all „my couples“ a marriage as long and loving as Peter and Gerda´s.

Anna & Ariel 1_Fotor_Collage

Nina Richert gefällt dieser Artikel

sa ghairdín na dtuismitheoirí, 10.08.2013, deutsch

[link to the english post]

… ist Irisch und heißt*  „im Garten der Eltern“

Bei der Trauung von Anja und Diarmuid wehten zwei Fahnen in der Sonne: die irische und die deutsche, denn im wunderschönen Garten von Anjas Eltern in Erkrath fand ein großes Familienfest statt. Diarmuids Familie war aus Irland angereist, und fand mit Anjas Familie aus Deutschland und den Freuden aus Schottland und  England zu einer großen fröhlichen Runde zusammen. Der Garten war mit vielen Details liebevoll dekoriert und gestaltet, besonders die vom Brautpaar gezeichnete Skizze fand sich immer wieder, schon auf den Einladungen der Gäste, und dann als Wegweiser und den Teelichten.
Freunde und Familie haben die Zeremonie mit Life-Musik bereichert, und alle haben verstanden, wie sehr das Paar sich liebt, einerseits, zum einen, weil ich während der Trauung fröhlich zwischen deutsch und englisch gewechselt hab, vor allem aber, weil Anja und Diarmuid vor Glück förmlich mit der Sonne um die Wette strahlten und es eine der schönsten Liebeserklärungen gab: von Diarmuid an Anja:
I love you, because no one holds my heart like You do (Ich liebe Dich, denn niemand hält Herz so wie Du).Und ich muß gestehen: ich habe mich ein bisschen verliebt: mal wieder in „die Iren“ im Allgemeinen, mit ihrer Herzlichkeit und ihrem Humor, und in Diarmuids Vater ganz besonders, der dann im Anschluß an die Feier mal eben ganz spontan eine Rede auf die beiden hielt, und erzählte, wie sehr die Liebe der beiden die ganze Familie von Herzen freut und glücklich macht.

*(sagt der online-Übersetzer …)

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sa ghairdín na dtuismitheoirí, 2013.08.10th, english

[Link zum deutschen Beitrag]

… is irish and means:*  „in the parent´s garden“

Two flags were fluttering in the sun at Anja´s and Diarmuid´s the wedding: the irish and the german, because in the beautiful garden of Anjas´s parents a big family-party took place. Diarmuid`s family from Ireland, Anja´s german family as well as friends from Scotland and England gathered for a happy come-together and a decent party. The garden was lovely decorated with lots of details, and the drawing of the couple done by Anja and Diarmuid themselves was to be found on the invitation for the guests as well as at sign-posts and the table lights. Friends and family enriched the ceremony with music und everyone felt the deep love of bride and groom for each other. That was partly due to me switching in my speach between english and german but mostly for the happiness radiating from Anja and Diarmuid. And so one of the most beautiful love-declarations was to be heard spoken by Diarmuid to Anja:
I love you, because no one holds my heart like You do.
And I have to admit: I fall in love! Again… with „the irish“ and being so hearty and humorous in general and especially with Diarmuids dad, who stood up for an impromptu speech to let everyone know how very happy the family is with the love of Anja und Diarmuid.

*(says the online-translator …)

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… almost 60 years ….

(link to the german article)

When two people are about to marry, usually some things already have happened:

Getting to know each other, being light-headed, falling in love. Usually they live together and had to conquer the necessary obstacles of daily live such as shopping and cleaning up as well as enjoying the wonderful moments together, big and small ones.

The knowledge to have found the one and only person for the rest of your live is often obtained by moments of great happiness and the joy of sharing them.
And by the experience that you are not alone in times of deep weakness and sometimes in moments of your heart’s anguish.

In the weddings I officiate I try to let everyone take part, the couple and their families, the friends, all the people who are there on this special day.
Take part in these special moments. Without being too detailed about them, more like telling how the couple felt, when these situations happened in their live. Always gentle and carefully, and joyfully and smiling with all of you about the things worth laughing.

When, like today, the bride´s grandparents are with us, who are going to celebrate their 60th!!!! wedding anniversary next year, that´s alone a great honour and a wonderful perspective for all of us in this fast live we life in.

When Peter and Geda stepped up to me after the wedding today and told me, that, aside of their own wedding, the ceremony today was one the nicest they ever had attended, I was and still am deeply touched. I feel deeply honoured. And I guess, I did manage it a bit to share the special magic of this couple´s love.

Gerda and Peter, I became acquainted to You today. It is a great pleasure for me.

More about the wedding of Ariel and Anna at Füllinger See/Cologne soon to come here. But that’s also something a blog is good for: to share the things which make my soul like overflowing.

Anna & Ariel 2

… fast 60 Jahre …

(link zum englischen Artikel)

Wenn zwei Menschen heiraten, ist meist schon einiges passiert… Kennenlernen, Schmetterlinge im Bauch, Verliebtsein.
Meist wohnt man heute vor der Hochzeit zusammen, und hat den gemeinsamen Alltag erprobt, mit allen den notwendigen Niederrungen zwischen Einkaufen und Putzen, und den wundervollen gemeinsamen Augenblicken, den kleinen und großen.
Oft entwickelt sich die Gewissheit, den richtigen Menschen für den Rest des Lebens gefunden zu haben, aus den Augenblicken großen Glückes, und der Freude, dieses zu teilen
Und aus der Erfahrung, dass man in den Situationen großer Schwäche und manchmal auch tiefer Seelennot nicht alleine ist.

Ich versuche in meinen Trauungen alle, das Paar und die Familie, die Freunde, alle Menschen, die diesen besonderen Tag mit dem Brautpaar teilen möchten, mitzunehmen. Zu diesen besonderen Augenblicken, gar nicht, um Details zu auszuplaudern, sondern eher um davon zu erzählen, wie sich das Brautpaar in solchen Augenblicken gefühlt hat, wo diese besonderen Momente in ihrem Leben waren. Immer vorsichtig und sanft, und sehr gern fröhlich und mit Euch allen lachend.

Wenn dann, wie heute, die Großeltern der Braut mitfeiern, die nächstes Jahr 60, also s.e.c.h.z.i.g. <3 Jahre verheiratet sind, ist das allein schon eine große Ehre, eine wunderbare Perspektive für uns alle in dieser schnellen Zeit.

Wenn dann Peter und Gerda nach der Trauung zu mir kommen, und mir sagen, dass es, abgesehen von ihrer eigenen, ein der schönsten Hochzeiten war, an der sie teilgenommen haben, dann bin ich sehr gerührt. Sehr geehrt. Und denke, dass es mir ein bisschen gelungen ist, den besonderen Zauber der Liebe dieses Paares zu vermitteln.

Gerda und Peter, ich habe Euch heute kennenlernen dürfen. Es ist mir ein große Freude.

Mehr zur Hochzeit von Ariel und Anna am Füllinger See bald hier. Und auch dafür ist ein blog gut: Dinge, die meine Seele überfließen lassen, mitzuteilen.

Anna & Ariel 2

Sibylle Borgemeister, Christine Buschkamp gefällt dieser Artikel

Sommerhochzeit, 03.08.2013

Ein strahlendes Brautpaar, strahlender Sonnenschein, ein wunderschöner Park mit alten Bäumen, entspannte Gäste, das sind die Bilder, die ich im Kopf hab, wenn ich an die fröhliche Trauung von Jan und Reelika im Klosterhof Seligenthal denke. Freunde und Familie aus Deutschland und Estland waren in großer Zahl dabei, und haben herzlich über meine Versuche in Sachen Estnisch gelacht. Sehr rührend und persönlich wurde es dann, als sich Jan und Reeli ihr Ehe-Versprechen gaben, und alles wurde unterstützt von Katjas wunderbarer Musik mit Gitarre und Gesang.
Für Reelika und Jan ist das miteinander Sprechen und Reden genauso wie das auf-einander Hören so wichtig und dabei so selbstverständlich, ich fand es in unseren Gesprächen immer toll und spannend und manchesmal auch einfach lustig mitzuerleben. Töne, Musik und Worte begleiten sie daher nicht nur bei der Trauung, sondern ihr ganzes Leben. Sicherlich auch deshalb sind mir am Tag nach der Trauung, als diese in mir nachklang, diese Worte für die beiden in den Sinn gekommen:

Für Reelika und Jan:
…und es klingt in meinem Herzen ein ganz besonderer Ton, der Ton der Liebe. Mal laut, mal leis, mal hell mal dumpf. Aber er klingt und ist der Ton, der alles andere zum Schwingen bringt, der Ton der mich begleitet, und für besondere Menschen, den besonderen Menschen, hörbar ist.

Jan und Reelika_Collage_Fotor