Archiv für den Monat: September 2014

Vor einigen Wochen haben ich im Münsterland 2 Menschen getraut, die seit 10 Jahren verheiratet sind. Die beiden sind sehr in ihrer Gemeinde eingebunden und engagiert, und eigentlich träumten die beiden davon, nach 10 Jahren auch kirchlich zu heiraten, ihre Liebe, ihre Ehe unter den Schutz Gottes zu stellen.
Aber aus verschiedensten Gründen war weder eine katholische Hochzeit noch eine freie Trauung in einer Kapelle möglich, denn, auch große Schiffe ändern ihren Kurs, aber eben sehr sehr langsam. Es begann ein langer Weg, ein Kampf, manchmal ein Krampf, nicht nur für die beiden, sondern für viele und für viele oft frustierend. Menschen, sich so lange kannten, die so viel miteinander im Dorf, in der Gemeinden zu tun haben und auch bewegen, sind an die Grenzen dessen geführt worden, was Kirche zulässt, was geht, und was nicht. Ich bewerte das hier nicht, denn Wertstabilität ist auch eine Qualität, die unserer schnell-lebigen Zeit eben stabile Werte gibt.
Aber einfach nix machen, es bei der standesamtlichen Trauung zu belassen kam für die beiden auf keine Fall in Frage.                                                                                                      Also haben wir uns getroffen und überlegt, wie eine Trauung aussehen kann, die wichtig nimmt, was wichtig ist. Da Glaube, Kirche, Religion sehr sensible Bereiche bei jedem Einzelnen sind, war es auch wichtig, dass niemand sich verletzt oder übergangen fühlt, wir keine Grenze überschreiten, die vielleicht vor allem andere sehen, und es vor allem die Trauung wird, die für das Brautpaar und deren Kinder genau richtig und toll wird.

Und das war es dann auch, inkl. Überraschungen: Der Gemeindepriester hat 2 Wochen vor der Trauung angeboten, die Eheringe der beiden zu segnen, und konnte so als Vertreter der Kirche seinen Teil im erlaubten Rahmen zur Trauung der beiden beitragen. Die Freundin, die „nur“ mit der Gitarre anrücken sollte, hat diese zu Hause gelassen – und dann mit weiteren Freunden statt dessen die Lieder a capella gesungen, wundertoll!

Während der Zeremonie hab ich dann bei der Trauansprache Bezug auf einen Bibelvers genommen, den sich die beiden ausgesucht haben, Kol 3,

13 Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 14 Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.

Außerdem hatten sich die beiden einen Text von Jörg Zink ausgesucht und auch ein Lied, das wir alle dann miteinander gesungen haben, und das die Organistin der Gemeinde begleitete.

Wir haben keinen Gottesdienst gefeiert, sondern eine Hochzeit, bei der Gott ganz deutlich und hörbar dabei war, genauso, wie es sich das Paar gewünscht, genauso, wie es gut und richtig war.

Und ich weiß genau: Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag… gilt ganz besonders für Judith und Michael.

Danke, dass ich Euch bei Eurer Hochzeit begleiten durft.